Rumänische Teilnahme beim goEast Filmfestival 2026

Das goEast – Festival des Films aus Mittel- und Osteuropa (26. Ausgabe) findet vom 21. bis 27. April 2026 in Wiesbaden und weiteren Städten der Rhein-Main-Region statt. Die gesamte Woche wird der Filmkultur Mittel- und Osteuropas gewidmet, die Filme werden in Originalfassung mit englischen Untertiteln, teilweise ergänzt mit deutschen Untertiteln, präsentiert.

Wie jedes Jahr präsentiert das Festival eine Vielfalt filmischer Erzählungen, die sich mit gesellschaftlichen Themen, Geschichte, Identität und kulturellen Transformationsprozessen auseinandersetzen. Im Programm 2026 ist die rumänische Präsenz besonders stark, von aktuellen Wettbewerbsproduktionen über herausragende Dokumentarfilme bis hin zu Kinoklassikern und international ausgezeichneten Werken – eine Auswahl, die sowohl die aktuelle Dynamik des rumänischen Films als auch dessen Dialog mit anderen Filmproduktionen der Region widerspiegelt.

Ein zentrales Element der rumänischen Auswahl ist das Porträit der Produzentin Ada Solomon, einer der einflussreichsten Persönlichkeiten des zeitgenössischen europäischen Films. Das Festival zeigt eine Reihe von Filmen, die sie produziert hat, und würdigt damit ihre wesentliche Rolle für den internationalen Erfolg rumänischer Regisseur:innen sowie für die Förderung des rumänischen Kinos im europäischen Kontext.

Das vollständige Festivalprogramm finden Sie hier


Wettbewerb:

God will not help / Bog neće pomoći

FRA, ITA, HRV, ROU, SVN 2025 / 137 min / OmeU

Sprache: Kroatisch, Spanisch

Regie: Hana Jušić

Teresa, eine Frau aus Chile, erreicht Anfang des 20. Jahrhunderts eine abgeschottete Hirtenfamilie in den kroatischen Bergen. Sie überbringt die Nachricht vom Tod ihres Mannes, des ausgewanderten Bruders der Familie. Teresa spricht nur Spanisch, die Familie nur Kroatisch. Ihre Ankunft verunsichert die streng katholische, patriarchale Gemeinschaft. Ohne gemeinsame Sprache verständigt sie sich durch Gesten und Rituale. Zwischen ihr und der Schwägerin Milena wächst eine enge Verbundenheit. Doch Neid und Misstrauen lassen die Stimmung kippen – Teresa wird zur Projektionsfläche zwischen Zuflucht und Bedrohung.

Vorstellungen

Caligari FilmBühne – Mi, 22.04. / 20:30 Uhr

Apollo Kinocenter – Do, 23.04. / 16:00 Uhr

DFF, Frankfurt – Do, 23.04. / 20:30 Uhr

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Sorella di clausura

ITA, ROU, SRB, ESP 2025 / 107 min / OmeU

Sprache: Rumänisch, Serbisch, Englisch

Regie: Ivana Mladenović

Stela, 36, scheitert stetig an Beziehungen und Jobs; ihre ganze Energie gilt der obsessiven Verehrung des alternden jugoslawischen Schlagersängers Boban. Als die Finanzkrise 2008 ihre Familie aus Timișoara aufs Land zwingt, sucht sie über Facebook Kontakt zu Vera, Pop-Ikone und angebliche frühere Geliebte des Sängers. Zwischen der vereinsamten Vera und der haltlosen Stela entsteht eine überraschende Nähe. Mit trockenem, absurdem Humor begleitet Ivana Mladenovićs Film Stela in ihrem komplizierten Verhältnis zu sich selbst und anderen.

Vorstellungen:

Caligari FilmBühne – Fr, 24.04. / 21:00 Uhr

Apollo Kinocenter – So, 26.04. / 20:15 Uhr

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Porträit – Ada Solomon

Im Jahr 2026 widmet goEast die Sektion Porträit der rumänischen Produzentin Ada Solomon, einer der zentralen Persönlichkeiten des europäischen Films. Das Festival würdigt die Karriere einer der einflussreichsten Stimmen Mittel- und Osteuropas, die an über 80 erfolgreichen Filmproduktionen beteiligt war und in den letzten zwei Jahrzehnten wesentlich zum rumänischen Kino beigetragen hat. Das Portrait zeigt eine Auswahl bedeutender Filme, die sie produziert hat, und unterstreicht ihren Einfluss auf das rumänische und internationale Kino sowie ihre Rolle beim Aufbau eines soliden Netzwerks künstlerischer Kooperationen in Europa.

Sonderveranstaltung:

Talk / Workshop mit Ada Solomon – Heimathafen im Alten Gericht – 26. April, 16:00 Uhr (Moderation: Kritiker und Kurator Călin Boto). Der Zugang zu Workshops und Diskussionen kann ein separates Ticket oder eine Festivalakkreditierung erfordern.


Mutter & Sohn / Child’s Pose / Poziția copilului

ROU 2013 / 112 min / OmeU

Sprache: Rumänisch

Regie: Călin Peter Netzer

Der größte Schmerz der wohlhabenden und gesellschaftlich aktiven Cornelia ist das schlechte Verhältnis zu ihrem erwachsenen Sohn Barbu. Als dieser bei einem Überholmanöver ein Kind überfährt, springt ihm Cornelia eifrig zur Seite, um ihn vor Strafe zu bewahren. Zwischen Taktik, Korruption und guten Kontakten scheint das Wesentliche, der Tod des Kindes und die Schuld des Sohnes, kurzzeitig in den Hintergrund zu treten. MUTTER & SOHN gewann 2013 den Goldenen Bären der Berlinale. Regisseur Călin Peter Netzer ist mit diesem im semidokumentarischen Stil gedrehten Drama ein zutiefst menschlicher und gesellschaftskritischer Film gelungen.

Vorstellungen:

Murnau-Filmtheater – Mi, 22.04. / 18:00 Uhr

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Bad luckbanging or loony porn / Babardeală cu bucluc sau porno balamuc 

HRV, LUX, ROU, CZE 2021 / 106 min / OmeU

Sprache: Rumänisch

Regie: Radu Jude

Lehrerin Emi dreht mit ihrem Mann ein Sexvideo. Irgendwie landet das Video im Internet. Was folgt, ist eine Eskalation in drei Teilen: Die aufgebrachten Eltern verlangen eine Aussprache. Emi bahnt sich ihren Weg durch eine menschenfeindliche Stadt, um sich bei der Direktorin zu erklären. Es folgt ein symbolisches Bildwörterbuch, bei dem konventionelle Zeichen eine neue, zeitgenössische Bedeutung erhalten. Das große Finale ist der Elternabend, der angeheizt von Kommentaren in sozialen Netzwerken, schnell zum Tribunal wird. Mit schmerzhafter Treffsicherheit und unglaublicher Komik drehte Radu Jude ein Sittenbild unserer Zeit und gewann den Goldenen Bären.

Vorstellungen:

Apollo Kinocenter – Fr, 24.04. / 22:15 Uhr

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The Distance Between Me and Me / Distanța dintre mine și mine

ROU, USA 2018 / 89 min / OmeU

Sprache: Englisch, Rumänisch

Regie: Dana Bunescu, Mona Nicoară

Ein Film über die rumänisch-jüdische Avantgarde-Dichterin, Musikerin und bildende Künstlerin Nina Cassian (1924 – 2014), berühmt als Femme fatale, exzessive Trinkerin und leidenschaftliche Raucherin: In den 1940er Jahren flieht sie vor dem Faschismus in den kommunistischen Untergrund, gerät in die Nähe des stalinistischen Regimes und später mit dem Ceaușescu-Staat in Konflikt. 1985 endet ihr Weg im unfreiwilligen Exil in New York. Gedichte, Musik, Fernseharchive und geheime Überwachungsakten treffen auf ihre Erinnerungen und zeichnen das Porträt einer Künstlerin auf der Suche nach innerer Freiheit.

Vorstellungen:

Apollo Kinocenter – Fr, 24.04. / 14:00 Uhr

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Felicia über alles / First of All, Felicia / Felicia înainte de toate 

BEL, FRA, HRV, ROU 2009 / 120 min / OmeU

Sprache: Rumänisch, Niederländisch

Regie: Răzvan Rădulescu, Melissa de Raaf

Der alljährliche Besuch bei der Familie in Bukarest geht zu Ende, Felicia muss zurück in die Niederlande. Seit 19 Jahren lebt sie dort, ihr Sohn ist diesmal beim Ex-Mann geblieben, sehr zum Bedauern der Großeltern. Doch Felicias jüngere Schwester, die sie zum Flughafen bringen soll, taucht nicht auf. Auf das Taxi folgt der Stau. Schnell wird klar, den Flug erreicht sie nicht mehr, und am nächsten Tag zu fliegen ist unmöglich. Das Drama nimmt seinen Lauf. Felicias Familie erweist sich als wenig hilfreich, und die Dynamik zwischen Mutter und Tochter entwickelt sich rasant und schonungslos. Machtspiele treffen auf Gesten der Liebe.

Vorstellungen:

DFF, Frankfurt – Mi, 22.04. / 18:00 Uhr

Caligari FilmBühne – Fr, 24.04. / 16:15 Uhr

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Mammalia 

DEU, POL, ROU 2023 / 88 min / OmdU

Sprache: Rumänisch

Regie: Sebastian Mihăilescu

Camil kommt nicht klar. Seine Freundin ist sehr beschäftigt und verschwindet tagelang zu irgendwelchen Kursen, auf der Arbeit wird er missverstanden, er ist einsam. Als Camil anfängt, seine Freundin zu suchen, stößt er auf eine seltsame, langhaarige Gemeinschaft, die ominöse Fruchtbarkeitsrituale vollzieht. Sebastian Mihăilescus Debütfilm steckt voller Überraschungen, die er in ausnahmslos atemberaubenden, traumhaften Bildern, die voller Komik stecken und Gemälden gleichen, inszeniert. Fragen zu Geschlechterrollen sind zentral, werden aber auch nicht allzu ernst genommen.Eine surreale Wunderkiste!

Vorstellungen:

Murnau-Filmtheater – Mo, 27.04. / 18:00 Uhr

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Mir istes egal, wenn wir als Barbaren in die Geschichte eingehen / I Do Not Care If WeGo Down in History as Barbarians / Îmi este indiferent dacă în istorie vom intraca barbari

BGR, DEU, FRA, ROU, CZE 2018 / 139 min / OmeU

Sprache: Rumänisch

Regie: Radu Jude

Wie macht man eine Sommerkomödie über das Gedenken an den Holocaust? Radu Jude hat genau das getan. Meisterhaft und schwerelos erzählt er die Geschichte der Regisseurin Mariana, die mit ihren intellektuellen und ethischen Ansprüchen an allen scheitert – den Laiendarsteller*innen, dem Beauftragten der Stadt, die Marianas aktuelle Inszenierung fördert, und ihrem Liebhaber – und sich dennoch treu bleibt. Zentral ist im Film Marianas Theaterstück, das die rumänische Beteiligung am Holocaust thematisiert, von der aber außer ihr kaum jemand etwas wissen will.

Vorstellungen:

Murnau-Filmtheater – Mo, 27.04. / 20:00 Uhr

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Cold Waves / Război pe calea undelor

DEU, LUX, ROU 2007 / 108 min / OmeU

Sprache: Rumänisch

Regie: Alexandru Solomon

Radio Free Europe, von den USA finanziert, sendete bis in die 1990er Jahre von München aus Informationen aus dem Westen in den Osten. In Rumänien war die Hörer*innenschaft während des Ceaușescu-Regimes besonders groß, das rumänische Team des Senders wurde zum Feindbild des Diktators. Alexandru Solomon bringt viele Protagonist*innen jener Zeit zusammen: Ein ehemaliger Securitate-Mann sitzt heute im rumänischen Parlament, Carlos der Schakal im Gefängnis, Hörer*innen berichten, wie die Sendungen ihnen Mut gaben. Einige Redakteure erlebten das Ende der Diktatur jedoch nicht mehr. Der Film wirkt heute beunruhigend aktuell.

Vorstellungen:

Murnau-Filmtheater – So, 26.04. / 14:00 Uhr

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Marilena from P7 / Marilena de la P7

ROU 2006 / 45 min / OmeU

Sprache: Rumänisch

Regie: Cristian Nemescu

Der 13-jährige Andrei lebt am Rand von Bukarest. Statt auf seinen kleinen Bruder aufzupassen, streift er mit Freunden durch die Nachbarschaft und beobachtet die Sexarbeiterinnen am Straßenstrich. Als er sich in die coole Marilena verliebt, setzt er alles daran, ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen.

Vorstellungen:

Apollo Kinocenter – Do, 23.04. / 22:00 Uhr

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The Marshal’s Two Executions / Cele două execuții ale Mareșalului

ROU 2018 / 10 min / OmeU

Sprache: Rumänisch

Regie: Radu Jude

Wir sehen die Erschießung von Marschall Ion Antonescu und drei weiteren Nazikollaborateuren als Montage in der Tradition von Sergei Eisenstein. Die drastischen Originalaufnahmen des Kamerastudenten Ovidiu Gologanl und die pathetische Verfilmung derselben Szene aus Sergiu Nicolaescus Film The Mirror (1994) könnten gegensätzlicher nicht sein.

Vorstellungen:

Apollo Kinocenter – Do, 23.04. / 22:00 Uhr

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On the Impossibility of an Hommage / Despre imposibilitatea unui omagiu

DEU, ROU 2024 / 19 min / OmeU

Sprache: Rumänisch

Regie: Xandra Popescu

Ion Tugearu war einer der schillerndsten Stars des rumänischen Balletts im Kommunismus und ist ein gefragter Lehrer und Choreograf. Als ein Film über ihn entstehen soll, zeigt er sich begeistert – und mischt sich zugleich mit immer neuen Ideen ein. Eine humorvolle Begegnung zwischen künstlerischer Eitelkeit und den Grenzen des Filmemachens.

Vorstellungen:

Apollo Kinocenter – Do, 23.04. / 22:00 Uhr

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Symposium – „Strategien des filmischen Widerstands“

Unter dem Titel „Strategien des filmischen Widerstands“ untersucht das Symposium 2026 die ästhetischen, historischen und politischen Formen, in denen das Kino als Raum des Widerstands und der Reflexion im Kontext der Ost-West-Beziehungen fungierte. Durch Vorträge, Diskussionen und Filmvorführungen erkunden die Teilnehmer:innen historische und zeitgenössische Konflikte, deren Einfluss auf filmische Darstellungen sowie die Rolle des Kinos bei der Kritik von Machtstrukturen und dominanten Narrativen. Während der Veranstaltung werden klassische Filme und Dokumentarwerke gezeigt, die künstlerischen und gesellschaftlichen Widerstand aufzeigen und einen Dialog zwischen Vergangenheit und den aktuellen Realitäten des bewegten Bildes eröffnen.


Videograms of a Revolution / Videogramele unei revoluții

DEU, ROU 1992 / 106 min / OmeU

Sprache: Rumänisch, Deutsch

Regie: Harun Farocki, Andrei Ujică

Zwischen der letzten öffentlichen Rede von Nicolae Ceaușescu am 21.12.1989 und der ersten TV-Zusammenfassung seines Prozesses am 26.12.1989 nahmen die Kameras die Ereignisse in Bukarest fast vollständig auf. Der rumänische Philosoph Christian Ferencz-Flatz schreibt über den Film: „Das Anfang 1991 begonnene Projekt VIDEOGRAMME EINER REVOLUTION von Harun Farocki und Andrei Ujică gehörte zu den ersten Arbeiten, die audiovisuelle Dokumente der rumänischen Revolution als Objekte kritischer Untersuchung in den Vordergrund stellten. Anstatt die Chronologie der Revolution zu rekonstruieren, hinterfragt der Film die Bilder selbst – ihre Produktion, Verbreitung, Transformation und gegenseitige Beeinflussung – und leitet damit eine nachhaltige Reflexion über ihren epistemischen und politischen Status ein.“

Vorstellungen:

Murnau-Filmtheater – Sa, 25.04. / 21:00 Uhr

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Kaleidoskop

Schon lange kein Frühling – Mein Vater, Rumänien und ich / So Long Since I've Known a Spring

DEU, ROU 2025 / 90 min / OmdU

Sprache: Deutsch, Rumänisch

Regie: Alexandra Bidian

Wer war der Mann, der so viel schrieb und doch so vieles verschwieg? Gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer Schwester reist Regisseurin Alexandra Bidian nach Rumänien, in das Heimatland ihres verstorbenen Vaters. Einst Ort unbeschwerter Sommerferien, wird es nun zur Bühne einer behutsamen Spurensuche. In ihrem persönlichen Familienporträt nähert sich Bidian ihrem Vater, der als Dissident aus dem kommunistischen Rumänien nach Deutschland kam – getragen von großen, idealistischen Zielen und einem bereits gelebten Leben. Eine Geschichte zwischen existenzieller Entwurzelung, unbändiger Sehnsucht und kindlichen Erinnerungen.

Vorstellungen:

Caligari FilmBühne – Do, 23.04. / 10:00 Uhr

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Goodbye, Castle! / La revedere, castelule!

ROU 2024 / 20 min /

Sprache: Rumänisch

Regie: Alina Șerban

Ana blickt auf ihre Kindheit in Heimen und Pflegefamilien zurück und stellt sich Erinnerungen an Familie, Verlust und Zugehörigkeit. Eine sensible Auseinandersetzung mit Identität, Resilienz und dem Weg in die Selbstständigkeit.

Vorstellungen:

Apollo Kinocenter – Mi, 22.04. / 18:00 Uhr

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