Das Rumänische Kulturinstitut „Titu Maiorescu“ Berlin organisiert gemeinsam mit der Rumänische Botschaft und der Botschaft der Republik Moldau in der Bundesrepublik Deutschland am 17. März 2026 um 19:00 Uhreine Veranstaltung, die der Vorstellung der jüngsten deutschen Übersetzungen von Werken dreier bedeutender rumänischsprachiger Autoren aus der Republik Moldau gewidmet ist. Die Veranstaltung findet in Saal 2 im Gebäude des Instituts in der Reinhardtstraße 14, 10117 Berlin statt.
Die Vorstellung der Romane „Die Königin der Kelche“ / „Dama de cupă“ von Iulian Ciocan, „Fünf Uhr und sieben Minuten“ / „Ora cinci și șapte minute“ von Dumitru Crudu sowie „Lebendiges Gewebe. 10 × 10“ / „Țesut viu. 10 × 10“ von Emilian Galaicu-Păun findet im Vorfeld der Leipziger Buchmesse (19.–22. März 2026) statt und wird als Präsentations- und Gesprächsveranstaltung mit den Autoren Iulian Ciocan, Dumitru Crudu und Emilian Galaicu-Păun als auch den Übersetzer:innen Georg Aescht, Julia Richter und Ingrid Baltag gestaltet. Das Gespräch wird von der Schriftstellerin und Kulturjournalistin Paula Erizanu moderiert.
Die drei Romane zeichnen, jeder auf seine eigene Weise, eine vielschichtige Betrachtung der Fragilität des Individuums in einem osteuropäischen Raum, der von historischen Brüchen und anhaltenden Spannungen geprägt ist. Über die Unterschiede in der Erzählstruktur, den narrativen Aufbau oder im Stilregister betreffend, teilen sie die gemeinsame Thematik, wie Geschichte in das Privatleben eindringt und individuelle Lebenswege neu gestaltet. Geschichte erscheint nicht als ferne Kulisse, sondern als aktive, invasive Kraft, und das Erinnern wird zu einem Versuch, die Kontinuität in einer von Brüchen geprägten Welt wiederherzustellen. Erzählen bedeutet, Sinn wiederzugewinnen, persönliche und kollektive Verantwortung zu begreifen und sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Auf diese Art bildet sich eine literarische Landkarte des gegenwärtigen Osteuropas ab, auf der Erinnerung und Identität zentrale und tief miteinander verknüpfte Themen bleiben.
Iulian Ciocans Roman “Die Königin der Kelche”, ins Deutsche übersetzt von Julia Richter, wurde im Dezember 2025 bei Edition Noack & Block veröffentlicht. Iulian Ciocan präsentiert einen Roman mit starker sozialer Resonanz und verknüpft gekonnt Satire mit Elementen des Magischen Realismus. Der allmähliche Verfall von Chișinău, ausgelöst durch ein geheimnisvolles Loch, das sich immer weiter ausdehnt, entwickelt sich zu einer eindringlichen Allegorie auf Verantwortung und menschliche Zerbrechlichkeit.
„Fünf Uhr und sieben Minuten“ von Dumitru Crudu erschien Ende 2025 in der deutschen Übersetzung von Ingrid Baltag und Sarah Tobor im Klak Verlag. Der Band, der sich aus 53 miteinander verwobenen Kurzgeschichten zusammensetzt, untersucht die kollektiven Traumata der Region: von den Deportationen in die sibirischen Gulags zwischen 1940 und 1951 über den Transnistrien-Krieg von 1991 bis 1992 bis hin zu den Auswirkungen des aktuellen Konflikts.
Der Roman „Lebendiges Gewebe. 10 x 10“ zeichnet eine in der UdSSR verbrachte Kindheit sowie einen Reifeprozess nach, der eigentlich mit der Geburt eines freien Landes hätte einhergehen sollen, sich jedoch als zutiefst unvollständig erweist. Durch vielfältige Erzähltechniken, labyrinthartige Strukturen und formale Spiele beschwört das Werk eine fragmentierte Erinnerung herauf, die Generationen und Schicksale miteinander verknüpft. „Lebendiges Gewebe. 10 × 10“ erschien im November 2025 in der deutschen Übersetzung von Georg Aescht im POP Verlag.
Iulian CIOCAN (geboren 1968 in Chișinău, Republik Moldau) ist Prosaautor, Publizist und Literaturkritiker. Kommentator beim Radiosender Europa Liberă. Veröffentlichte Romane: „Înainte să moară Brejnev” (Bevor Breschnew starb, Polirom Verlag, 2007), „Tărîmul lui Sașa Kozak” (Das Land von Sașa Kozak, Tracus Arte Verlag, 2011), „Iar dimineața vor veni rușii” (Und am Morgen werden die Russen kommen, Polirom Verlag, 2015), „Die Herzdame” (Verlag Polirom, 2018). 2018 veröffentlichte er bei Editura Muzeelor Literare Iași „Die Geschichte von Nicolae Gane”. Er veröffentlichte Prosa in Zeitschriften und Anthologien in den USA, Deutschland, China, Tschechien, Bulgarien, Belgien und Brasilien. Seine Romane wurden übersetzt und vielfach ausgezeichnet.
Dumitru CRUDU (geb. 1967, Republik Moldau) ist Prosaautor, Dramatiker und Dichter und Mitverfasser des Manifests des Fracturismus. Er debütierte 2008 mit dem Roman „Măcel în Georgia” (Gemetzel in Georgien) und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter der UNITER-Preis und der Preis der Prinzessin-Margareta-Stiftung für das beste Theaterstück Rumäniens („Alegerea lui Alexandru Sutto”) sowie der „Ion Creangă”-Preis der Rumänischen Akademie für „Salutări lui Troțki”. Er veröffentlichte unter anderem die Romane „Un american la Chișinău” (Ein Amerikaner in Chișinău), „Margareta noastră” (Unsere Margareta) und „Ziua de naștere a lui Mihail Mihailovici” (Der Geburtstag von Mihail Mihailovici). Zwei Erzählbände wurden international übersetzt: „Oameni din Chișinău” (Menschen aus Chișinău, Tschechisch, 2017) und „Salutări lui Troțki” (Grüße an Trotzki, Französisch, 2021). Der Roman „Ora cinci și șapte minute” (Fünf Uhr und sieben Minuten) wurde im Verlag Petr Štengl in Tschechien veröffentlicht.
Emilian GALAICU-PĂUN (geb. 1964, Republik Moldau) hat zahlreiche Gedicht- und Prosabände veröffentlicht. Seine Werke wurden in über 20 Sprachen übersetzt. Für sein literarisches Schaffen erhielt Emilian Galaicu-Păun den Nationalen Literaturpreis (Republik Moldau, 2015), den Nationalen Poesiepreis „George Bacovia” (Rumänien, 2019) und zahlreiche Auszeichnungen: Ritter des Ehrenordens (Republik Moldau, 2012), Verdienstorden für Kultur im Rang eines Offiziers (Rumänien, 2014) und das Kreuz „Heraldischer Verdienst” (Republik Moldau, 2020).
Georg AESCHT ist Literaturkritiker, Publizist, deutschsprachiger Schriftsteller und Übersetzer aus Rumänien. Er hat mehrere rumänische Autoren übersetzt, darunter Ion Agârbiceanu, Carmen Francesca Banciu, Filip Florian, Norman Manea, Gellu Naum, Alexandru Papilian, Andrei Pleșu, Lucian Boia, Liviu Rebreanu, Mihail Sebastian, Alexandru Vona, Gabriela Adameșteanu und Adela Greceanu. Im Jahr 2021 wurde ihm der Kulturverdienstorden in der Kategorie A – „Literatur” – in der Stufe eines Ritters verliehen.
Julia RICHTER ist Postdoktorandin am Institut für Theoretische und Angewandte Übersetzungswissenschaft der Universität Graz. Sie forscht zur Geschichte des Übersetzens und ist Mitherausgeberin der Übersetzungsgeschichtszeitschrift Chronotopos. Derzeit arbeitet sie am Forschungsprojekt Post-Exil: Trans (FWF, DFG, SNF). Außerdem ist sie als Übersetzerin für Rumänisch und Französisch tätig.
Ingrid BALTAG ist Spezialistin für rumänische Literatur und Balkanstudien und Dozentin an der Humboldt-Universität zu Berlin. Sie hat Übersetzungen aus den Werken von Dumitru Țepeneag („La belle Roumaine”, Klagenfurt: Wieser, 2008) sowie Auszüge aus den Werken von Simona Popescu, Mircea Nedelciu, Mihail Sebastian und Ruxandra fCesereanu angefertigt. Sie ist Autorin von Artikeln und Studien über Literatur, Geschichte und Film, die in der Neuen Zürcher Zeitung, apropos, Spiegelungen, Deutsch-Rumänische Hefte u. a. veröffentlicht wurden.
Paula ERIZANU (geb. 1992) ist Schriftstellerin und Journalistin. Über die Proteste von 2009 in der Republik Moldau schrieb sie in „Aceasta e prima mea revoluție."Furați-mi-o" (Cartier, 2011, dreisprachige Ausgabe). Es folgte der Gedichtband „Ai grijă de tine” (Pass auf dich auf, Charmides, 2016). Seit 2019 koordiniert Paula Erizanu zusammen mit Alina Purcaru die Anthologie „Un secol de poezie română scrisă de femei” (Ein Jahrhundert rumänischer Lyrik von Frauen), die in drei Bänden beim Verlag Cartier erschienen ist. Ebenfalls bei Cartier veröffentlichte sie 2021 den historischen Roman „Ard pădurile” (Die Wälder brennen).Sie schrieb für Publikationen wie BBC World Service, The Guardian, London Review of Books, Libertatea, Observator cultural, Dilema veche, Scena9 und andere.Kürzlich wurde sie mit ihrem Band „Aicea-i și raiul, și iadul. "Republica Moldova: un veac de istorie trăită” (Hier ist der Himmel und die Hölle. Republik Moldau: ein Jahrhundert gelebter Geschichte), der 2025 im Cartier-Verlag erschienen ist, in die Shortlist des Europäischen Literaturpreises (EUPL) 2026 aufgenommen.
Partner: Die Botschaft von Rumänien in der Bundesrepublik Deutschland, Die Botschaft der Republik Moldau in der Bundesrepublik Deutschland, das Kulturministerium.