Rumänisch-Deutscher Übersetzungsworkshop an der Universität Leipzig, organisiert vom RKI im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse 2028

Im Vorfeld der Teilnahme Rumäniens als Ehrengast an der Frankfurter Buchmesse 2028 entwickelt das Rumänische Kulturinstitut Programme zur Stärkung der Präsenz rumänischer Literatur im deutschsprachigen Raum sowie zur Förderung einer neuen Generation literarischer Übersetzer:innen. Ein erster Schritt in diese Richtung ist der rumänisch-deutsche Übersetzungsworkshop „Suntem ceea ce scriem“ (,,Wir sind, was wir schreiben”), dessen erste Ausgabe vom 17. bis 18. Juni sowie vom 1. bis 2. Juli 2026 an der Universität Leipzig stattfand.

Der Workshop wurde vom Rumänischen Kulturinstitut „Titu Maiorescu“ Berlin und dem Nationalen Buchzentrum in Zusammenarbeit mit dem Institut für Romanistik der Universität Leipzig organisiert. Ziel des Workshops ist die Ausbildung von Übersetzer:innen rumänischer Literatur ins Deutsche sowie der Aufbau eines professionellen Netzwerks zur Förderung rumänischer Autoren auf dem deutschsprachigen Buchmarkt.

Die erste Ausgabe brachte Teilnehmer:innen zusammen, die ihre Fähigkeiten im literarischen Übersetzen in einem praxisorientierten Arbeitsumfeld vertiefenund den fachlichen Austausch mit erfahrenen Übersetzer:innen suchen wollten.

Die beiden Intensivseminare widmeten sich der zeitgenössischen Prosa und Lyrik. Das Seminar zur zeitgenössischen Prosa wurde von der Literaturübersetzerin Gundel Große geleitet, das Seminar zur zeitgenössischen Lyrik von dem Literaturübersetzer Alexandru Bulucz. Die Koordination des Workshops übernahm die Literaturübersetzerin und Literaturwissenschaftlerin Iulia Dondorici.

An den vier Workshoptagen übersetzten und diskutierten die Teilnehmenden Texte der zeitgenössischen rumänischen Literatur. Sie erhielten wertvolles Feedback von erfahrenen Expert:innen sowie einen Rahmen zur Reflexion über die Herausforderungen der literarischen Übersetzung. Darüber hinaus bot der Workshop Raum für den Austausch über die Beziehung zwischen Übersetzer:innen, Verlagen und dem Buchmarkt sowie über die Rolle der Übersetzung bei der internationalen Verbreitung rumänischer Literatur.

Im Rahmen der Prosasitzung führte die Übersetzerin Gundel Große die Teilnehmenden in die einzelnen Phasen des Übersetzungs- und Publikationsprozesses in Deutschland ein und ging dabei auf Themen wie die Zusammenarbeit mit Verlagen, die Finanzierung von Übersetzungen und das Urheberrecht ein. Sie gab außerdem Einblicke in das Interesse des deutschen Verlagsmarktes an rumänischer Literatur und beleuchtete die Geschichte der Übersetzungen aus dem Rumänischen ins Deutsche. Dabei hob sie die Unterschiede zwischen den redaktionellen Richtlinien und Auswahlkriterien in Ost- und Westdeutschland vor 1989 sowie die Veränderungen nach 1989 hervor.

Die praktische Übung bestand aus der Übersetzung von Auszügen aus Werken von Remus Boldea (O zi desăvârșită pentru trei dinți din față aus dem Band Degeaba ai citit atâtea cărți, Trei Verlag, 2025), Goran Mrakić (Un glonț pentru Moș Crăciun aus dem Band Punk-Requiem, Nemira Verlag) sowie Radu Pavel Gheo (Poezii pentru serbare aus dem Band Un drum cu Ceapă, Polirom Verlag, 2020). Die Teilnehmenden arbeiteten in Teams und diskutierten verschiedene Übersetzungsmöglichkeiten derselben Texte, wobei sie Bedeutungsnuancen, Ausdrucksweisen, Kontext und weitere Faktoren berücksichtigten. Die Diskussionen konzentrierten sich außerdem auf das Potenzial zeitgenössischer und moderner rumänischer Texte und Autoren, das Interesse des deutschen Publikums zu wecken, sowie auf deren Präsentations- und Marketingstrategien auf dem deutschen Buchmarkt.

Die von Übersetzer Alexandru Bulucz geleitete, der Lyrik gewidmete Sitzung verband theoretische Reflexion mit praktischen Übersetzungsübungen. Die Teilnehmenden übersetzten Gedichte von GelIu Naum, Marin Sorescu und Tristan Tzara, verglichen anschließend ihre in Arbeitsgruppen erarbeiteten Fassungen mit Übersetzungen von Oskar Pastior und diskutierten verschiedene Übersetzungsmöglichkeiten. Ein wesentlicher Schritt im Übersetzungsprozess war die Kommentierung und Interpretation der Gedichte. Im Anschluss wurden zwei grundlegende Texte der Übersetzungstheorie – Die Aufgabe des Übersetzers (Walter Benjamin, 1923) und Über die verschiedenen Methoden des Übersetzens (Friedrich Schleiermacher, 1813) – sowie ein Text zur Poetik des Übersetzens von Oskar Pastior – Vom geknickten Umgang mit Texten wie Personen. Übersetzen als Sonderfall des Selberschreibens (1983) – besprochen.