„I had made so great an effort to talk to myself of a hell without words“ | Giulia Crețulescu und Gavril Pop

Ort: Kunstraum des Rumänischen Kulturinstituts „Titu Maiorescu“ Berlin – [Ceci n’est pas une] Galerie (Reinhardtstr. 14, 10117 Berlin-Mitte)
Zeitraum: 11. September – 24. Oktober 2025
Vernissage: Donnerstag, 11. September 2025, 18:30 – 21:00 Uhr


Galerieöffnungszeiten:
Montag – Freitag: 15:00 – 19:00 Uhr
Berlin Art Week: Samstag, 13. September, und Sonntag, 14. September, 15:00 – 19:00 Uhr


Artist Talk:
Datum: Samstag, 13. September 2025
Uhrzeit: 15:00 Uhr
Mit: Giulia Crețulescu und Gavril Pop
Moderation: Marian Ivan
Ein Dialog über kreative Prozesse und gemeinsame Themen der Ausstellung.


Das Rumänische Kulturinstitut „Titu Maiorescu“ Berlin organisiert in Zusammenarbeit mit der Ivan Galerie Bukarest die Ausstellung „I had made so great an effort to talk to myself of a hell without words“, die Werke von Giulia Crețulescu und Gavril Pop präsentiert, zwei aktive Stimmen der zeitgenössischen Kunstszene Rumäniens.

Der Titel der Ausstellung nimmt Bezug auf den Roman The Passion According to G.H. der Schriftstellerin Clarice Lispector und erzeugt eine gespannte Stimmung, die als verbindendes Element der künstlerischen Praktiken von Giulia Crețulescu und Gavril Pop gelesen werden kann. Diese Spannung zeigt sich sowohl im Konzept als auch in der Form und setzt die beiden Künstler in einen beständigen Dialog. Sowohl Giulia Crețulescu als auch Gavril Pop experimentieren mit unterschiedlichen Medien und verwenden vielfältige Materialien und Techniken. Ihre komplementären Arbeitsweisen wurden bereits in früheren Ausstellungen der Ivan Galerie präsentiert, darunter „1:1“ in Bukarest und „Variables as Absence of Uniformity“ in Zusammenarbeit mit der Wetterling Galerie Stockholm.

Die Ausstellung zeigt eine Auswahl von Arbeiten aus den Jahren 2024-2025 – Zeichnungen, Malereien, textile Objekte und Edelstahlskulpturen –, die um die Idee der Umgestaltung der Realität durch Umdeutung des Vertrauten aufgebaut sind. Die Werke von Giulia Crețulescu und Gavril Pop sind von gemeinsamen Themen wie Körperlichkeit, Wiederholung und affektiver Interaktion durchzogen und schaffen einen sensiblen, vielschichtigen Raum, der zur visuellen Reflexion einlädt.

Mit der Serie „Weaponsˮ und ihren textilen Objekten nutzt Giulia Crețulescu Strukturiertheit, um ihre Konzepte zu formen. Die Edelstahlobjekte sieht sie sowohl als Ursprung von Wunden als auch als Heilmittel und versteht sie als Artefakte des Schmerzes. Die textilen Arbeiten drücken durch ihre Materialität und Geometrisierung Temporalität aus und setzen die Idee der Verteidigung fort – diesmal jedoch allmählich durch Kontemplation in einem Zeitalter von Geschwindigkeit und Druck. In ihrer Praxis erforscht sie die Beziehung zwischen Objekt, Körper und Betrachter durch spannungsgeladene skulpturale Formen mit instabilen Konturen und von Erinnerung geprägten Texturen. Metall und Textil werden zu Trägern einer körperlichen Expressivität, die von Zerbrechlichkeit und Stärke zugleich geprägt ist. Die Serie „Weaponsˮ zeigt scharfe, fast versteinert wirkende Objekte, die Trauma in symbolische Schutzformen verwandeln, Schmerz archivieren und als Möglichkeit zur Befreiung zurückgeben.

Parallel dazu beschäftigt sich Gavril Pop mit der Gewalt der Sprache und erforscht unterschiedliche Formen der Darstellung und Diskussion von Konflikten. Außerdem fokussiert er sich auf den Spannungszustand von Dingen, die kurz vor Selbstzerstörung und Transformation stehen. Er arbeitet mit Textilien, Zeichnungen und Objekt-Malerei, recycelt Materialien, verleiht ihnen neue Funktionalität und schafft einen Raum, in dem Objekte eine neue Identität erlangen. Gavril Pop entwickelt ein essenzielles visuelles System, das auf repetitiven Gesten und strengen Formen basiert und als offenes Lexikon fungiert. Seine Arbeiten – sinnentleerte Buchstaben, geometrische Kompositionen, Puzzle-Strukturen – spiegeln einen fortlaufenden Prozess visueller Übersetzung wider, durch den Wissen zu sinnlicher Erfahrung wird.

Artist Talk:
Im Rahmen der Berlin Art Week findet am 13. September 2025 um 15:00 Uhr findet ein Artist Talk mit Moderation von Marian Ivan statt, bei dem Giulia Crețulescu und Gavril Pop über ihre kreativen Prozesse und die gemeinsamen Themen der Ausstellung sprechen werden. Dies bietet dem Berliner Publikum eine einzigartige Gelegenheit, direkt mit den Künstler*innen in Dialog zu treten und ihre Sichtweisen auf zeitgenössische Kunst besser zu verstehen.

Giulia Crețulescu (Jg. 1994, Craiova, lebt und arbeitet in Bukarest) absolvierte ihr Bachelor- und Masterstudium im Bereich Grafikdesign und besitzt einen Doktortitel in Visuellen Studien an der Nationalen Universität für Kunst Bukarest, wo sie zudem als wissenschaftliche Assistentin im Fachbereich Grafikdesign tätig war. Giulia Crețulescu arbeitete mit Institutionen in Bukarest (darunter das Nationale Museum für Zeitgenössische Kunst), Cluj-Napoca sowie international zusammen. In den letzten Jahren waren ihre wichtigsten Ausstellungen unter anderem: 2024 – „Wild Card“, Fragment Gallery, New York (Einzelausstellung); „Variables as Absence of Uniformity“, Stockholm (Gruppenausstellung); 2023 – „Pickle Bar Presents: Slavs and Tatars“, West Den Haag, Niederlande (Gruppenausstellung); „Following the Body“, Fragment Gallery, New York (Gruppenausstellung); „A Human Being After All“, EastContemporary Gallery, Mailand (Gruppenausstellung); „1:1“, Ivan Galerie, Bukarest (Duo-Ausstellung mit Gavril Pop); „Costume and Collapse“, Pickle Bar Slavs and Tatars, Berlin (Gruppenausstellung); „My Rhino is Not A Myth“, Biennale ArtEncounters, Timișoara. Sie wurde in der New Talent Edition 2025 der Zeitschrift „Art in America“ aufgenommen.

Gavril Pop (Jg. 1998, Timișoara) studierte Malerei und Kunstgeschichte an der Westuniversität Timișoara. Er ist aktiv in der Kunstszene Timișoaras tätig, arbeitet als Kurator, Projektleiter, Kulturvermittler, Archivar und Verfasser kritischer Texte für Publikationen. Er kooperiert regelmäßig mit unabhängigen Kunsträumen, Stiftungen und Vereinen, trägt zu Ausstellungen und Vermittlungsprogrammen bei. Zu seinen jüngsten Ausstellungen zählen unter anderem: 2025 – Biennale Art Encounters (Gruppenausstellung); 2025 – „Convulsie SRL: Picături pe Plita Încinsă“, TRIUMF AMIRIA. Museum der Queer-Kultur, Bukarest (Gruppenausstellung); 2025 – „Apariții dintr-un sol comun“, INDECIS, Timișoara; 2024 – „Variables as Absence of Uniformity“, Stockholm (Gruppenausstellung); 2024 – „Hortus Conclusus“, Französisches Institut, Timișoara (Gruppenausstellung); 2023 – „The Twist. Five Provincial Stories from an Empire“, Kunsthalle Bega, Timișoara; „1:1“, Ivan Galerie, Bukarest (Duo-Ausstellung mit Giulia Crețulescu); 2022 – „If a Story is Present“, Art Encounters Stiftung, Timișoara (Gruppenausstellung).

Die Ivan Galerie ist eine 2007 in Bukarest eröffnete Galerie für zeitgenössische Kunst, gegründet als unabhängige Initiative innerhalb der jungen rumänischen privaten Galerieszene. Das Programm der Galerie konzentriert sich auf die globale Förderung rumänischer Künstler*innen – sowohl durch Erforschung und Sichtbarmachung bedeutender Karrieren der jüngeren Kunstgeschichte Rumäniens, darunter Geta Brătescu, Paul Neagu, Ion Grigorescu, Simona Runcan und Lia Perjovschi, als auch durch Unterstützung und Entwicklung der Karrieren junger und aufstrebender Künstler*innen wie Anca Benera & Arnold Estefan, Silvia Amancei & Bogdan Armanu, Cristina David, Ștefan Sava und Iulia Toma. Darüber hinaus arbeitet die Galerie mit rumänischstämmigen Künstler*innen im Ausland zusammen, darunter Florina Coulin, Bartha Sandor und Mădălina Zaharia, und pflegt Partnerschaften mit zahlreichen internationalen Institutionen im Bereich der Ausstellungsaktivitäten der vertretenen Künstler*innen.2021 eröffnete die Ivan Galerie einen neuen Ausstellungsraum innerhalb der jungen Künstlergemeinschaft der Atelierele Malmaison in Bukarest.