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Einsamkeit und Sehnsucht Das 15. Diyalog Theaterfest in Berlin Von Hartmut Krug 24.04.2011 Deutschlandradio Kultur ...BLOCK BACH
Samstag, 30 april 2011Einsamkeit und Sehnsucht
Das 15. Diyalog Theaterfest in Berlin
Von Hartmut Krug
24.04.2011
Deutschlandradio Kultur
Theater war 1983 ein Mittel für türkische Migranten in Berlin-Kreuzberg, ihre Geschichten zu erzählen. Heute ist "Diyalog" keine Gruppe mehr, sondern ein renommiertes Festival, das auch Gäste aus dem Ausland präsentiert. […]
Es ist ein buntes Programm, das das Diyalog Theaterfest bietet. Festivalleiter Mürtüz Yolcu, der 1978 als 17-Jähriger aus der Türkei nach Berlin kam: "Wir haben Cabaret, wir haben Kinderstücke, wir haben für Jugendliche Theaterproduktionen, wir haben Erwachsenenstücke, wir haben Konzerte, wir haben Diskussionen, wir haben Partys - deshalb heißt es auch Diyalog Theaterfest. Der Name sagt ja schon sehr viel."
Das interkulturelle Festival, das in diesem Jahr sein 15. Jubiläum feiert, entstand aus der 1983 gegründeten migrantischen Theatergruppe Diyalog:
"Wir haben damals, 1983, wo türkische Kultur nur mit Folklore und Bauchtanz vertreten war, Theater als ein Mittel genommen, um unsere Geschichten zu erzählen. Erst haben wir unsere Geschichten in türkischer Sprache erzählt und glaubten an die Geschichten, die wir von unseren Eltern gehört hatten: Dass wir irgendwann zurückgehen. Wir werden nicht zurückkehren und hierbleiben, und dementsprechend haben wir dann unser Konzept geändert. Wir haben danach unsere Stücke zweisprachig gemacht, türkisch-deutsch. Und inzwischen können wir sagen, dass wir eine ganz normale Berliner Theaterinstitution sind."
Mittlerweile besitzt das Diyalog Theaterfest ein internationales Programm, es ist kein rein türkisch-deutsches Festival geblieben. So reist aus Bukarest mit "Block Bach" ein Tanzstück des Odeon Theaters an, in dem alltägliche zwischenmenschliche Begegnungen in Hochhaussiedlungen zu Bachs "Matthäuspassion" erkundet werden, eine japanische Performance erzählt von Tanz und Liebe im Angesicht der Bombardierung von Nagasaki und Hiroshima, und man kann Gogols Monolog "Tagebuch eines Wahnsinnigen" in einer Inszenierung des russischen Regisseurs Oleg Myrzek mit dem türkischen Schauspieler Timur Isik erleben:
"Was hat das mit Türken zu tun? Sehr viel. Weil wir auch einsam sind. Und weil wir auch in so einer Stadt wie Berlin ausflippen und sehr viele Probleme mit uns haben, weil die Einsamkeit betrifft alle Menschen. Von daher finde ich es, also vom Stoff her, sehr interessant."
Es sind keine großformatigen Großkultur-Produktionen, die hier gezeigt werden. Es sind eher die kleineren, experimentelleren Arbeiten, denn das Theaterfest bietet eine Plattform, inter- und transkulturelle Arbeiten zu präsentieren und auszutauschen.
Mürtüz Yolcu: "Das Diyalog Theaterfest ist ein Kind, das hier im Ballhaus Naunynstraße geboren wurde. Es ist gleichzeitig auch ein Produkt von Kreuzberg. Wir haben vor 1983 das Berliner Familientheater gegründet. Wir waren Arbeiter und Studenten aus der Türkei, und inzwischen sind wir ein internationales Theaterfestival geworden. Wir holen Gruppen aus dem Ausland nach Berlin, und inzwischen bringen wir auch Gruppen hier aus Berlin nach Istanbul."
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